Die Begegnung mit dem Selbst: Atman-Ausstellung Berlin (Teil 1)

Wir kennen viel von der Welt, Reisen viel, erleben viel. Kennen wir uns aber selbst? Für mich war der Anfang einer wirklichen Reise, mich selbst kennenzulernen und zu lieben. Meine eigene Forschungsreise begann vor 10 Jahren als ich mir die Frage stellte, kann das schon alles gewesen sein oder geht da noch mehr? Sobald ich mir diese Frage gestellt hatte, entstand eine gewissen Unzufriedenheit in mir. Auf der Suche nach dem Besonderen im Leben im Außen, erkannte ich, dass das Leben im Moment, in diesen Augenblick, das Besondere ist. Erst dann erkannte ich, dass alles was wir Menschen suchen immer und in jeden Augenblick in uns ist.

Das Außen ist unser Spiegel von dem was wir im Inneren sind und somit das Werkzeug, um das Innere zu entdecken. Unser Körper, die Sinne, unsere Gedanken, das Ego, die Gefühle, Emotionen und Träume, sind dabei der Wegweiser auf dem Weg zu uns selbst. Das wahre Finden ist die Wiederbegegnung mit dem Selbst, dem Wesenskern, den jeder in sich trägt. Das Selbst ist das, was wir sein sollen, oder besser gesagt, was die Seele anstrebt. Es ist die Suche nach dem was wir wirklich sind. Das wahre Leben können wir also nicht im Außen finden sondern nur in uns Selbst. Das was wir suchen ist das Atman-Bewusstsein.

Atman ist ein Wort aus dem Indischen und heißt, vereinfacht ausgedrückt, Seele. Das was wir suchen ist das Seelen-Bewusstsein, die Bewusstheit zu wissen, dass neben dem Körper eine innere Führung vorhanden ist, die in jedem Augenblick weiß, wo die Lebensreise hingeht. Die Atman-Ausstellung in Berlin zeigt in mehreren, langen, dunklen Räumen am Ende eine Lichtinstallation, die einzig und alleine das Profil eines Gesichts zeigt (siehe Foto, Copyright siehe am Ende des Artikels). Die Führung erfolgt im Stillen. Vor jedem Bild verweilt der Betrachter eine kleine Zeit und lässt das Bild auf sich wirken. Einzigartig fotografiert und belichtet, wirken diese Bilder auf die Seele des Betrachters. Die Erfahrung, die ich dort machte, möchte ich mit Euch teilen.

Als ich den ersten langen dunklen Raum der Atman-Ausstellung betrat, überfiel mich plötzlich eine Welle von Angst. Weihrauch zog in meine Nase und der Blick war vernebelt. Langsam ging ich Schritt für Schritt im Rhythmus des Guides auf das erste Bild zu. Dunkelheit umgab mich und ich hatte das Gefühl, als ob ich immer tiefer in ein Labyrinth von Katakomben gelangte. Alles war still. Panik stieg in mir auf und ich wollte fluchtartig den Raum verlassen. Alle Poren öffneten sich und ich fing an zu schwitzen. Meine Gedanken rasten wie wild. Sie konzentrierten sich mehr und mehr darauf einen Fluchtplan zu entwickeln, als auf die Ausstellung selbst. Mein Herz raste und mein Körper fing an zu brennen.

Ich konzentrierte mich auf mein Gefühl und fand den Ursprung im Herzchakra. Dort, an dem Punkt in der Mitte der Brust, war pure Angst zu spüren. Pochend, in konzentrischen Wellen von dort ausgehend, breiteten sich diese im ganzen Körper aus. Immer und immer wieder, wiederholten sich diese Schwingungen und schienen an Intensität nicht nachzulassen. Die Synapsen feuerten unentwegt und gaben nicht auf, mir eine Erklärung für das, was hier gerade passierte, zu liefern. Ich fragte mich, wie ich in diesen Zustand noch die weiteren Bilder überstehen sollte. Ich zählte schon rückwärts, obwohl ich erst am Anfang der Ausstellung war.

Mein Blick konzentrierte sich auf den Fußboden und ich widerstand dem Drang zu fliehen. Ich grenzte mich von dem Bild ab und fing an zu fühlen. Der Guide setzte sich in Bewegung und wir gingen gefühlt tiefer durch die Gänge, in noch tiefere Räume. Ich hatte das Gefühl, als ob mir jeder Fluchtweg abgeschnitten wird.

An Bild zwei kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern. Mein ganzer Körper und die dazugehörigen Emotionen leisteten volle Ablenkung und wollten absolute Konzentration, auf das was jetzt in und mit mir geschah. Ich spürte meine Emotionen – aber sowas von …

Als wir auf Bild drei zugingen, bemerkte ich kleine Räume zwischen dem Pulsieren der konzentrischen Angst-Kreise. Räume die leer, hell und schön waren. Je länger ich mich auf das Gefühl der Angst, in der Mitte meiner Brust konzentrierte, um so größer wurden diese Räume. Plötzlich gab es in mir ein Impuls und die Emotionen flossen durch die Hautoberfläche kühl ab. Mein Körper entspannte sich ganz langsam. Mein Körper fühlte sich heiß mit einer kühlen Oberfläche an. Beim Betrachten von Bild vier und fünf kamen noch zwei kleine Angst-Wellen, die langsam aus meinem Körper abflossen – und es wurde ruhig – auch in mir.

Neugierig betrachtete ich die wunderbaren Atman-Bilder und suchte wie wild nach dem Atman in ihnen. Meine Augen wanderten eifrig auf dem Foto hin und her in der Hoffnung, endlich dem Atman zu begegnen. Mein Körper baute Druck auf, meine Gedanken produzierten Fragezeichen für das, was ich denn eigentlich suchte. Mein Verstand wusste es nicht und ich auch nicht.

So konzentrierte ich mich auf die Gesichter jeder Fotografie. Ich ließ sie einfach auf mich wirken. Dadurch, das der Hintergrund in den Bildern unscharf ist, bekommt nur das fotografierte Gesicht den Schwerpunkt der Betrachtung. Der Fokus gilt alleine dem Teil des Gesichts, der durch den Haaransatz und der Kopfform abgegrenzt ist. Ich erschrak, als durch die Art der Fotografie, ein Bild so wirkte, als ob, wie bei einem Hologramm, das Profil dreidimensional erschien. Ich erkannte sofort, das meine Gedanken mir ähnliche Bilder schickten, die ich in vergangenen Situationen erlebt hatte und auf das Bild „übertrugen“. Wie eine Fatamorgana, die gleich wieder verschwand.

In den letzten Fotografien, die ich sah, erkannte ich, das rechte und linke Gesichtshälften nie identisch sind. Durch die „Lebensmuster“, die sich durch Falten auf dem Gesicht bemerkbar machten, entstanden verschiedene Emotionen und Gefühle in mir. Ich sah, Müdigkeit, Verletzlichkeit, Angst, Arroganz, Witz, Lebensfreude, Sensibilität, Weisheit, Zartheit, Leidenschaft, Hingabe und manchmal sah ich nichts.

Als die Führung zu Ende war, wollte ich nur für mich sein. Ich wollte nichts sagen oder erklären. Mich störte auch der helle Raum, den ich im Anschluss an die Ausstellung betrat.  Ich hatte eine wunderbare Stille in mir, einen Raum, der weit geöffnet war und eine Erfahrung, die ich noch nicht erklären konnte. Eine Frage stellte mir mein Verstand: „Wo war denn die Begegnung mit mir selbst. Wo war der Atman?“ Ich konnte mir die Antwort noch nicht geben.

Teil 2 lesen sie hier: Die Begegnung mit dem Selbst: Atman-Ausstellung Berlin – (Teil 2)

Das Foto zu diesem Artikel wird in der Atman-Ausstellung in Berlin gezeigt und wurde mir freundlicherweise von Bernd Kolb und Christian Körner zur Verfügung gestellt. Das Foto unterliegt dem Copyright der old wisdom GmbH.

 

 

 

 

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