Innenwelten – Synchronizitäten

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In der Artikelreihe „Innenwelten“ gehe ich davon aus, dass alles was uns im Außen „passiert“, was wir an Situationen erleben und diese uns emotional ansprechen, immer etwas mit uns selbst zu tun haben. Im Folgenden werde ich Synchronizitäten erläutern, die uns täglich begleiten und die mehr werden, wenn wir auf sie achten.

Der Künstler Frederick Franck, Verfasser von The Zen of Seeing: Seeing/Drawing as Mediation, New York 1973, beschreibt einen Augenblick des intuitiven Einblicks in Synchronizitäten wie folgt:

An einem trüben Nachmittag – ich war zehn oder elf – ging ich eine Landstraße entlang. Links ein Flecken Krauskohl, rechts gelb gewordener Rosenkohl. Ich spürte eine Schneeflocke auf meiner Wange, und am fernen, grau verhangenen Himmel sah ich einen Schneesturm langsam näher rücken. Ich blieb stehen.

Nun wirbelten einige Flocken um meine Füße. Die einen schmolzen, als sie den Boden berührten. Andere blieben unversehrt. Dann hörte ich, wie der Schnee mit einem überaus sanften Zischen fiel.

Wie angewurzelt stand ich da, hörte zu … und wußte, was nie in Worte gefaßt werden kann: daß das Natürliche übernatürlich ist, da ich das Auge bin, das hört, und das Ohr, das sieht. Und daß das, was außen ist, in meinem Inneren geschieht, daß Außen und Innen untrennbar sind. 

Synchronizität ist ein deskriptiver (beschreibender) Begriff für den Zusammenhang zwischen zwei Ereignissen. Von der Synchronizität abzugrenzen sind die Kausalität (Ursache und Wirkung, Beobachtung und Schlußfolgerung) und die Synchronität.

Bei der Kausalität ist das objektive Wissen ausschlaggebend: Nehmen wir beispielsweise einen Stein und werfen ihn mit voller Wucht in eine Glasscheibe, so wird die Glasscheibe höchstwahrscheinlich zerbrechen bzw. zumindestens einen Steinschlag haben. Die beiden Ereignisse sind der Steinwurf und die kaputte Glasscheibe. Die Ursache der beiden Ereignisse ist der Steinwurf der die Wirkung erzielt, dass die Glasscheibe zerbricht. Für die Kausalität selbst ist es völlig unerheblich vom wem und wann der Stein geworfen wird. Um die Ursache und Wirkung zu verstehen, muss man über die Fähigkeit verfügen äußere Ereignisse zu beobachten und logisch zu denken; wir müssen also wissen, wenn wir den Stein gegen eine Scheibe werfen, dass die Scheibe dadurch beschädigt werden kann. Die Kausalität kann also logisch erklärt werden und beliebig oft wiederholt werden – wenn wir wirklich viele kaputte Scheiben haben wollen 😉

Bei der Synchronizität ist das subjektive Wissen ausschlaggebend: Wenn aufgrund von einer Vorahnung jemand von einer Glasscheibe zurücktritt und kurze Zeit später ein Stein durch die Glasscheibe fliegt, so handelt es sich aufgrund der bewusst gewordenen Vorahnung um ein synchronistisches Ereignis. Für die Person selbst ist in diesem Fall der Zeitpunkt des Ereignisses von Bedeutung. Um ein synchronistisches Ereignis richtig verstehen zu können, muss man über die Fähigkeit verfügen einen inneren subjektiven Zustand, einen Gedanken, eine Vision, einen Traum, ein Gefühl oder eine Vorahnung wahrzunehmen und ihn intuitiv mit einem äußeren Ereignis in Verbindung zu bringen. Synchronistische Ereignisse sind einzigartig und in der Form nicht wiederhobar. Die Erfahrung die man in diesem Augbenblick macht ist einzigartig. Die Synchronizität ist eine Koinzidenz, ein „Zusammen“-fallen von Ereignissen die für den Beteiligten einen Sinn ergeben. Bei einer Synchronizität erleben wir das einzigartige Gefühl, das zwischen unserer Seele und einem äußeren Ereignis ein akausaler Zusammenhang besteht, das unser Inneres mit dem Äußeren verknüpft ist und wir uns in diesem Moment verbunden fühlen. Es bedarf bei einem synchronistischen Ereignis also immer eine Person, die den zusammenfallenden Ereignissen einen Sinn geben. Dieser Sinn ist es, der den Unterschied zwischen einer Synchronizität und einer Synchronität macht.

Um bei dem Beispiel des Steinwurfs zu bleiben 🙂 ist eine Synchronität eine zeitliche oder eine gleichzeitige Abfolge von mindestens zwei Ereignissen, in unserem Fall: mehrere Personen stehen nebeneinander und werfen gleichzeitig jeweils einen Stein in eine Glasscheibe. Sie kennen synchrone Abläufe beispielsweise vom Synchronschwimmen, gleichzeitig tickende Uhren, etc. Es sind zusammenfallende Ereignisse, an denen niemand etwas Außergewöhnliches finden wird.

Synchronizitäten wohnt in irgendeiner Form ein „Zauber“ inne. Etwas, was der klare Verstand erst einmal nicht beschreiben kann. Oft ist es überraschend und irgendwie auch unglaublich. Wir alle haben schon synchronistische Ereignisse erlebt. Im Folgenden möchte ich die verschiedenen Arten von Synchronizitäten vorstellen. Jung unterscheidet  drei Arten von Synchronizitäten (siehe C. G. Jung: Synchronizitäten als ein Prinzip akausaler Zusammenhänge, 1952):

  1. Zusammenfallen eines geistigen Inhalts (Gefühl, Gedanke) mit einem äußeren Ereignis. Sie kennen diese Momente sicherlich selbst; wir denken an einen Menschen und er ruft kurze Zeit später an, schreibt eine SMS oder wir treffen ihn auf einem Spaziergang.
  2. Wir haben einen Traum oder eine Vision, welches mit einem Ereignis zusammenfällt, welches an einem anderen Ort stattfindet und zu einem späteren Zeitpunkt auch als wahr nachgewiesen wird. Meine Mutter erzählte mir, dass ihre Oma immer eine „Ahnung“ hatte, wenn ihr jemand Bekanntes im Krieg verstorben ist. Ganz intensiv war es wohl, als einer ihrer Kinder gestorben war. Da „sah“ sie ihn mit einem weißen Verband am Kopf und erhielt einige Zeit später die Nachricht, das am Tag ihrer Vision ihr Kind verstorben ist. Meine Oma hatte also im Vorfeld ein Bild, eine Vision; sie „wusste“, dass einer Person in diesem Moment etwas zugestossen war.
  3. Bei der dritten Art hat ein Mensch ein inneres Bild, z. B. einen Traum, eine Vorahnung oder eine Vision von etwas, was sich in der Zukunft ereignen wird und dann auch tatsächlich eintritt. Oft sehen Menschen irgendetwas, haben ein ungutes Gefühl. Z. B. steigt ein Mensch nicht in ein Flugzeug ein, weil er im Vorfeld „sieht“ oder fühlt, dass mit diesem Flugzeug irgendetwas passiert und dies zu einem späteren Zeitpunkt auch wirklich eintrifft. Sei es, dass es abgstürzt ist oder notlanden musste.

Bei allen synchronistischen Ereignissen die uns passieren stellt sich immer wieder ein Gefühl der Verbundenheit ein, zwischen dem was wir im Inneren fühlen und dem was im Äußeren passiert. Begleitet wird ein synchronistisches Ereignis durch ein Gefühl wie Ehrfurcht, Erregung, Schauer oder Verwunderung über das, was gerade passiert. Dieses Zusammenfallen der Ereignisse lässt sich dann nicht rational erklären.

Noch interessanter werden synchronistische Ereignisse, wenn wir uns die Frage stellen, welche Bedeutung sie für uns selbst haben, für das eigene Leben. Haben wir ein emotional tiefgreifendes synchronistisches Ereignis erlebt können wir mit Hilfe der Agatha Christie-Methode, die von Jean Shinoda Bolen ( Tao der Psychologie – Sinnvolle Zufälle; Sphinx Medien Verlag; 1989) vorgeschlagen wird, diese tiefere Bedeutung ermitteln.

Haben Sie so ein synchronistisches Erlebnis erlebt, dann schreiben Sie mir und wir finden zusammen die Bedeutung heraus. Dem Ersten, der mir seine Geschichte schreibt, dessen Geschichte wird hier auf meinem Blog veröffentlicht und er bekommt die Ausarbeitung dazu geschenkt.

Coming soon: Innenwelten – Mit der Agatha Christie-Methode die Bedeutung von Sychnchronizitäten erkennen

 

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