Tagträume – und wie sie dir deinen Lebensweg weisen

Tagträume können Seelenwächter sein, wenn man sie beachtet und anfängt, zu interpretieren. Beginnen wir, in die Ferne zu sehen und einen Punkt zu fixieren, fangen wir an tagzuträumen. Wir bereiten uns geistig und seelisch auf die bevorstehende Präsentation vor, halten ein Streitgespräch, wiederholen in Gedanken Situationen, die uns irgendwie belastet oder beglückt haben, bereiten unseren nächsten Urlaub vor, planen den Tag oder sind einfach nur für den Augenblick präsent, glücklich und zufrieden.

In Angstsituationen versuchen wir, uns durch Tagträume zu beruhigen, oder wir verstärken die Situation in die negative Richtung. Je nachdem, wie unsere generelle Einstellung zum Leben ist, verschlimmern wir eine Situation oder wir versuchen mittels unseres Verstandes, einen guten Ausgang für eine Situation herbeizuführen. Tagträume sind Ausdruck unserer Seele. Sie zeigen uns an, wie wir uns fühlen, und weisen darauf hin, was wir verändern können oder wo wir stimmig in unserem Leben sind.

Unbewusst oder bewusst gleiten unsere Gedanken in Tagträume ab. Ganz nach innen gerichtet oder vielleicht lächelnd auf einen Punkt fixiert, spüren wir, dass wir uns gerade in einer anderen Sphäre befinden. Tagträume sind im Gegensatz zu Nachtträumen leichter zugänglich. Wir wandern zwar zu unserem Selbst, sind aber bei vollem Bewusstsein. Tagträume sind den luziden Träumen ähnlich. Wir können ihre Handlungen bewusst steuern und befinden uns eben nicht im Schlaf. Wir träumen mit offenen Augen.

Betrachten wir Tagträume wie ein riesiges Sammelsurium von inneren Bildern und Gedanken, so steht uns eine Fülle deutungsfähiges Material zur Verfügung, um unser Leben zu gestalten. Meist nutzen wir aber diese geheimnisvollen Informationen nicht. Wir sehen sie nicht als Teile von uns, nicht als Hinweise, wohin unsere Lebensreise gehen könnte. Vielleicht ignorieren wir sie deshalb, weil sie oft ein Mittel gegen Langeweile sind, oder Tagträumer eher als negativ kommuniziert werden. Wie oft hört man andere fragen: „Was denkst du gerade, wo bist du gerade, träumst du gerade?“ Wir werden durch diese Störungen wieder in die Realität zurückgeholt. Ich selbst wurde in meiner Kindheit oft als „kleines, verträumtes Mädchen“ bezeichnet, weil ich häufig deutlich sichtbar in die Trance von Tagträumen abglitt und deswegen möglicherweise sonderbar wirkte.

Das Ruhestandsnetzwerk, das sogenannte default network, wird aktiv, wenn wir tagträumen. Es ist ein Teilsystem des Gehirns, welches in dieser nach außen scheinenden Abwesenheit mit Hochdruck Bilder und Eindrücke verarbeitet. Es verknüpft verschiedene Erinnerungen und Eindrücke zu neuen Szenarien, sodass wir nach der Rückkehr ins Bewusstsein unsere Aufgaben wieder aufnehmen und das Leben meistern können. Dadurch erinnern wir uns regelmäßig an unsere Ziele, erneuern und überarbeiten sie. In unseren Gedanken werden Vorbereitungen getroffen, Probleme gelöst und Szenarien erdacht, die Wegweiser für unsere Ziele sein können. In der Traumzeit während des Tages verbraucht das Gehirn weit mehr Energie als durch bewusste körperliche Handlungen. Tagträume trainieren das Gehirn für zukünftige Aufgaben und dienen der Speicherung von Erinnerungen. Mithilfe von Tagträumen und die interne Zusammenstellung neuer Szenarien bekommen wir eine Vorausschau auf unser Leben in Form von Visionen.

Oft ordnen wir dabei auch unser soziales Leben. Dabei läuft vor uns häufig ein Beziehungsfilm ab, in dem wir das, was wir anderen sagen, und mögliche Antworten gegeneinander abwägen. Wir bewerten es und gehen unterschiedliche Reaktionen anderer durch, bis wir zu einer für uns befriedigenden Lösungen gekommen sind.

Möglicherweise ist das Tagträumen eine Vermittlung, ein Abgleichen zwischen innen und außen, eine Methode, um zu überprüfen, ob wir noch auf unserem Lebensweg sind und das, was im Außen geschieht, unserem Inneren entspricht. Wie bereits erwähnt, dienen die Gefühle, die uns bei der Schaffung innerer Szenarien begleiten, als Wegweiser. Während des Tagträumens können wir anhand unserer Gefühle immer wieder abgleichen, ob das, was wir in unseren Erinnerungen erbauen, positiv oder negativ zu bewerten ist. Wir können so entscheiden, welches Gefühl stimmig ist und welche Richtung wir im Außen einschlagen möchten.

Heiko Ernst schreibt in seinem Buch „Innenwelten: Warum Tagträume uns kreativer, mutiger und gelassener machen“, dass die wesentlichen Aufgaben von Tagträumen drei Aspekte umfassen. Erstens ist eine Wunscherfüllung in der Fantasie zu bewerkstelligen. Zweitens wird dabei oft ein ausreichendes Lusterleben erreicht und drittens erfolgt ein Frustrations- und Spannungsabbau, der es ermöglicht, die innere Balance wiederherzustellen. Diese drei Aspekte gehen meiner Meinung nach immer mit intensiven Gefühlen einher. Der Mensch neigt dazu, negative, schmerzhafte Gefühle zu überwinden, indem er sie durch positive Gefühle neutralisiert. Jeder Gedanke ist immer mit einem Gefühl verbunden. Erinnern wir uns beispielsweise an eine Auseinandersetzung mit unserem Chef, die für uns negativ ausgegangen ist, so versuchen wir unser negatives Gefühl zu neutralisieren, indem wir zum Beispiel im Kopfkino unserem Chef endlich mal die Meinung sagen und versuchen, als Gewinner aus dem Szenario hervorzugehen. Dadurch erleben wir einen Frustrations- und Spannungsabbau, der unsere Gefühle positiver macht.

Durch Tagträume kann man immer wieder in eine andere Welt verschwinden. Diese Welt steht uns jederzeit offen, egal ob wir uns langweilen, uns trösten oder beruhigen müssen, einen Streit schlichten oder ein Gespräch vorbereiten wollen, ob wir unbekanntes Terrain betreten oder fliegen möchten. Alles ist dort möglich, um die eigene innere Balance wiederherzustellen oder uns auf Zukünftiges einzustellen.

aus Lichtgespenster – wie Träume dir deinen Weg weisen am Beispiel des Burnouts

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